Album „Freedom Power“

Mehr als acht Jahre liegen zwischen N’go n’go und Freedom Power. Acht Jahre des Lernens, in denen ich meinen eigenen Rhythmus, passend zu meinen Gedanken, gesucht habe. Ich habe meine Fingerfertigkeiten peerfektioniert und mich ganz der Musik gewidmet. Im Zentrum EMEKOs in Lomé habe ich dann noch Klavier gelernt. Acht Jahre, in denen ich mich auf mehr als 1.000 Konzerten in Afrika (Togo, Ghana, Benin) und Europa (Deutschland, Frankreich, Belgien, Spanien, Schweiz und Niederlande…) dem Publikum präsentiert habe.

Die CD Freedom Power, erschienen im April 1997 in Deutschland, enthält acht Songs, die aus einer Mischung von Reggae, Calypso, Gospel – von Zeit zu Zeit Blues – und immer auch traditionellen Rhythmen bestehen. Die beiden letzen Stücke: “Ne crie pas” und “Ce jour-la” sind Akkustikversionen der ersten und sechsten Komposition der CD.

Nun kann man sich fragen, worüber ich eigentlich singe. Diese Frage lohnt wirklich, gestellt zu werden, weil es in den sechs Liedern ein wahres musikalisches Kaleidoskop zu entdecken gibt: Man findet im Lied “Freedom Power” den Politiker, in “Ce jour-la” und “Noukêmewo” den Philosophen und den Schelm in den Liedern “Papa Amétafuto” und “Ma femme m’a rendu polygame“. Und bei allen unterschiedlichen Nuancen liegt der Aspekt der Liebe allem zu Grunde. In dem Lied “Ne crie pas” besinge ich, wie ich mich daran erinnere, wie häufig meine Mutter alles getan hat, um mich glücklich zu machen. Es ist eine Liebeserklärung an meine Mutter, an mein “Mutterland”, ein Lobpreis an die Frauen. Mit diesem Lied will ich die Erwachsenen einladen, sich an die zarten Momente ihrer Kindheit zu erinnern, in denen sie mit ihren Tränen vereint waren – mit dem Wehklagen der Natur insgesamt.

Die Stärke meiner Musik liegt in der provozierenden Kraft der Worte. Es gibt Menschen, die kämpfen mit Waffen für ihre Rechte oder ihre “Verrücktheiten”, die Geld haben um ihre Freiheit zu erkaufen oder die der anderen zu vernichten. Joe hat nichts außer seiner Gitarre um zu wehklagen, Unrecht aufzuzeigen und zu unterhalten. Sind es die Melodien, die durch ihre Schönheit den Körper vibrieren lassen, so sind es die Worte, die ins Herz treffen.

Freedom Power – Dieses Stück ist eine Hymne auf die Freiheit, ein Schrei der Verzweiflung angesichts allen Elends, das es in Afrika gibt. “Die Macht ist das einzige Argument, das den Menschen zufrieden stellt. Eine Rasse, die ihrer Macht beraubt ist, ist ebenfalls ihrer Anerkennung beraubt.” Die Macht! Das Alibi das man benutzt, um zu töten, das Böse, das einen weinen lässt und die Unschuldigen aufstöhnen lässt, das jedoch diejenigen lachen lässt, die sich dessen bedienen. In Zeiten politischer Unruhen, in denen die Demokratie nur auf dem Papier besteht laufen politisch andersdenkende Gefahr, Tod, Exil oder Gefängnis auf sich zu nehmen. Hier stelle ich meine Musik in den Dienst der Unterdrückten. Aber ich erwarte “Ce jour-la” (den Tag der Abrechnung), an dem sich alle ihrem Gewissen stellen müssen. Und, wenn es zur Stunde noch keine Medikamente gegen die Diktatur und den Machtmissbrauch gibt, so ist es doch wichtig, sich gegen andere Dinge zu schützen, z. B. gegen die Tod bringende HIV-Infektion.

Insgesamt fasse ich mit diesem Album meinen Traum zusammen: alle Menschen sind frei und selbstbewusst, geheilt von ihrem schlechten Gewissen und ihrer Unvernunft. Schließlich sind die Barrieren zwischen den Menschen gefallen – ganz auf einer Wellenlänge mit Bob Marley, Alpha Blondy, Lucky Dube, Bob Dylan… Meine Musik ist grenzenlos. Ob Afrika, die Antillen, Jamaika, USA oder Europa, die Musikliebhaber aus aller Welt werden ihre Freude an diesem Potpourri haben und in den Diskotheken der Welt kann man danach tanzen.

Dieses Album gibt einen Überblick über das menschliche Bewusstsein und ist andererseits auch ein musikalischer Leckerbissen.

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